Der Wert eines Vereins

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Ein kürzlich erschienener Text im Regionalsportteil der Neuen Osnabrücker Zeitung ließ uns aufhorchen und ein paar Gedanken zusammentragen. In besagtem Text beschreibt der Autor Johannes Kapitza, wie sich die Mitgliederzahlen in Osnabrücker Sportvereinen im Corona-Jahr 2020 entwickelten. Kurz zusammengefasst fand er heraus, dass die Sportlerinnen und Sportler im Landkreis treuer sind als in der Stadt, dass größere Vereine einen stärkeren Schwund zu verzeichnen haben als kleine und dass vor allem der Nachwuchs einbricht, weil grundständige Angebote wie das Eltern-Kind-Turnen ausfallen. Diese Entwicklung überrascht auf den ersten Blick nicht, führt uns aber zu einem Aspekt, der viele Vereine beschäftigen dürfte: Mitgliedsbeiträge.

Wir alle haben diese Pandemie satt. Die Einschränkungen des öffentlichen Lebens nerven, das Freizeitprogramm beschränkt sich weitestgehend auf die eigene Wohnung und natürlich fehlt auch der Sport in der Gemeinschaft. Der Stufenplan aus dem Lockdown verschaffte zwar Licht am Ende des Tunnels, angesichts steigender Infektionszahlen und diverser Mutationen traut man dem Braten doch noch nicht so recht. Aber wer weiß, vielleicht können wir uns in ein paar Wochen für Sportkurse und Trainingseinheiten an der frischen Luft treffen.

Der TuS Hilter hat sich in den letzten Monaten das ein oder andere digitale Angebot für seine Mitglieder überlegt. Die konnten möglicherweise für kurze Zeit ablenken, einen gleichwertigen Ersatz boten sie selbstverständlich nicht. Viele Mannschaften oder Sportgruppen halten sich noch über Cybertraining irgendwie fit, die geselligen Runden nach dem Training oder dem Wettkampf sind aber auch damit nicht zu kompensieren. Ein kürzlich erschienener Text im Regionalsportteil der Neuen Osnabrücker Zeitung ließ uns aufhorchen und ein paar Gedanken zusammentragen.

In besagtem Text beschreibt der Autor Johannes Kapitza, wie sich die Mitgliederzahlen in Osnabrücker Sportvereinen im Corona-Jahr 2020 entwickelten. Kurz zusammengefasst fand er heraus, dass die Sportlerinnen und Sportler im Landkreis treuer sind als in der Stadt, dass größere Vereine einen stärkeren Schwund zu verzeichnen haben als kleine und dass vor allem der Nachwuchs einbricht, weil grundständige Angebote wie das Eltern-Kind-Turnen ausfallen. Diese Entwicklung überrascht auf den ersten Blick nicht, führt uns aber zu einem Aspekt, der viele Vereine beschäftigen dürfte: Mitgliedsbeiträge.

So viel sei schon verraten: Der TuS Hilter wird seine Mitgliedsbeiträge Mitte April genau wie im Oktober 2020 wieder einziehen, auch wenn unser Vereinsleben de facto stillsteht. Warum ist das so?

Die Mehrheit entscheidet Themen, die die Mehrheit betreffen

Aus vereinsrechtlicher Perspektive betrachtet kann ein ehrenamtlich gewählter Vorstand, so wie wir das sind, nicht einfach beschließen, Mitgliedsbeiträge auszusetzen. Das bedarf eines Beschlusses, der von der Mehrheit einer Mitgliederversammlung gefasst und abgesegnet werden muss. Das ist auch gut so, schließlich sind wir im Vorstand nur diejenigen, die die Interessen der Vereinsgemeinschaft vertreten. Außerdem müssen wir unsere Buchführung jährlich von gewählten Kassenprüferinnen und Kassenprüfern kontrollieren lassen. Ein eingetragener Verein in Deutschland ist glücklicherweise immer auch demokratisch organisiert. Einige wenige, auch wenn sie sich im Vorstand engagieren, dürfen nicht im Alleingang schwerwiegende Entscheidungen treffen. Eine fünfstellige Summe an Mitgliedsbeiträgen wäre so etwas.

Man erkennt hier aber schon das Problem, das omnipräsent ist und unsere (meist digitalen) Vorstandssitzungen prägt. Die Wahrscheinlichkeit, dass vor dem 15. April, also dem Stichtag unserer Beitragserhebung, eine ordentliche Mitgliederversammlung in Präsenz mit möglichst vielen Vereinsmitgliedern abgehalten werden kann, tendiert gegen Null. Online-Alternativen oder hybride Veranstaltungen im Freien sind theoretisch vielleicht möglich, würden aber viele unserer Mitglieder ausschließen und einen erheblichen Mehraufwand bedeuten. Als Vereinsmitglied kann man sich nun nachvollziehbarerweise fragen: Warum zahle ich zum wiederholten Male einen Beitrag, für den ich aber überhaupt keine Gegenleistung bekomme? Dazu seien einige Gedanken verschriftlicht, die den eigentlichen Sinn eines Sportvereins verdeutlichen können und diesen auf den ersten Blick berechtigten Gedanken abschwächen werden.

Das Abo-Dilemma

Man ist heutzutage daran gewöhnt, Dienstleistungen im Abonnement zu bekommen. Monatlich zahlen wir für Musik, Filme, Magazine, Software, Smartphones oder Pay-TV. Netflix, Spotify, Apple oder Sky bekommen unser Geld hinterhergeworfen, auch wenn wir deren Inhalte manchmal wochenlang gar nicht konsumieren. Und wenn wir zwischendurch die Lust an diesen Angeboten verlieren, pausieren wir einfach ein paar Monate und erstellen uns dann einen neuen Zugang.

Im Gegensatz zu diesen Unterhaltungsgiganten oder beispielsweise einem kommerziell betriebenen Fitnessstudio zahlt man Mitgliedsbeiträge in einem Sportverein nicht (nur), um eine unmittelbare Gegenleistung in Form von Kursen oder Trainingsstunden zu bekommen. Wir alle sind keine zahlende Kundschaft beim TuS Hilter und haben Anspruch auf Sportangebote, weil es sich hier wie oben beschrieben um einen gemeinschaftlich organisierten und eingetragenen Verein handelt. Viel eher investieren wir mit unseren Beiträgen in eine regionale Infrastruktur, die Sportangebote überhaupt ermöglicht und die im besten Fall die Gemeinschaft innerhalb einer Gemeinde stärkt. Wir fördern die Ideen und Werte von Sportvereinen, von denen es allein in Niedersachsen über 9.000 gibt. Wenn eine Pandemie die Kommunen dazu zwingt, die Sportanlagen zu schließen, dann sind wir alle erst einmal machtlos. Wir können aber, wenn wir unseren Vereinen treu bleiben, dafür sorgen, dass es in absehbarer Zeit reibungslos wieder anlaufen kann.

Die Mitgliedsbeiträge des vergangenen Jahres sind zwar eingezogen worden, aber natürlich nicht verschwunden. Von ein paar laufenden Kosten abgesehen, wandert das Geld in sportlosen Zeiten ja nicht in die privaten Taschen des Vorstands, wie manch einer vermuten könnte. Von dem Moment an, wo in den beiden Turnhallen und an der Deldener Straße wieder Kinder, Jugendliche und Erwachsene zusammenkommen und gemeinsam Sport treiben, wird das gesammelte Geld genutzt, um das Vereinsleben unmittelbar fortzuführen.

Darüber hinaus kann man auf einer ordentlichen Mitgliederversammlung, die hoffentlich im Sommer stattfinden kann, gemeinsam überlegen, ob und wie man die Vereinsmitglieder an den TuS Hilter bindet. Das kann beispielsweise ein gemeinsamer Beschluss sein, der die Mitgliedsbeiträge für ein Jahr erheblich senkt. Oder man feiert ein Sommerfest mit großzügigen Verzehrgutscheinen für alle Mitglieder. Oder man investiert die zwangsläufig gebildeten Rücklagen, um das Sportangebot für Kinder und Jugendliche auszubauen. Die Möglichkeiten liegen alle auf der Hand, wenn man nicht am falschen Ende geizig ist.

Und nun?

Nun ist es natürlich jedem Mitglied freigestellt, im TuS Hilter oder anderen Vereinen zu sein und zu bleiben. Wer fristgerecht seine oder ihre Mitgliedschaft kündigt, hat jedes Recht dazu und wird zu nichts gezwungen. Wenn es bei dem einen oder der anderen durch die Pandemie oder andere Gründe wirklich einmal finanzielle Engpässe geben sollte, können wir gemeinsam eine Lösung suchen. Noch so ein Vorteil, den Vereine haben: Niemand soll ausgeschlossen werden und der Draht zu den Verantwortlichen ist in der Regel kurz. Das kann einem Netflix beispielsweise nicht bieten.

Nun sollen unsere Gedanken nicht so wirken, als stünde der TuS Hilter kurz vor der Auflösung. Unsere Mitglieder haben uns in den vergangenen zwölf Monaten in weiten Teilen die Treue gehalten. Moderate Kündigungszahlen sind genauso normal wie ein Zuwachs bei den Jüngsten, die wir hoffentlich bald wieder beim Kinderturnen oder den Minikickern begrüßen dürfen. Über dieses Vertrauen freuen wir uns sehr, hiermit sei ein herzlicher Dank an die Gemeinschaft ausgesprochen! Unsere transparente Kommunikation soll jedoch gerade in Zeiten, in denen man sich deutlich seltener persönlich sieht und Sachverhalte erläutern kann, nicht zu kurz kommen. Wenn Mitte April also wieder ein (übrigens nach wie vor vergleichsweise günstiger) Mitgliedsbeitrag bei euch abgebucht wird, dann ist nun klar, warum das passiert. Wir werden weiterhin verantwortungsvoll mit dem Geld umgehen. Bei der nächsten Mitgliederversammlung können wir dann alle gemeinsam überlegen, wofür wir es ausgeben wollen.

Der Vorstand des TuS Hilter von 1902 e.V.

Hilter am Teutoburger Wald, März 2021